Gemälde, Zeichnungen und drei prominente Bildergeschichten

Wilhelm Busch, "Mein Stubenplatz in Wiedensahl", um 1865 (WBM)
Ein nicht unerheblicher Teil der Neuerwerbungen des Jahres 1932 konnte direkt von verschiedenen privaten Leihgebern aus der 1932 im hannoverschen Provinzialmuseum (heute: Niedersächsisches Landesmuseum) anlässlich des 100. Geburtstages von Wilhelm Busch veranstalteten Jubiläumsausstellung angekauft werden. So u. a. das bekannte Gemälde Mein Stubenplatz in Wiedensahl.

Neben weiteren Gemälden, Handzeichnungen und Autographen gelang es der Gesellschaft in diesem Jahr ebenfalls, die Originalzeichnungen von drei prominenten Bildergeschichten Wilhelm Buschs für die Sammlung zu sichern: Im Mai 1932 kaufte Emil Conrad für die Provinz Hannover die aus 114 Blatt mit insgesamt 182 Zeichnungen bestehende Handschrift Die Fromme Helene von Letty Keßler an.

Letztgenannte war die Tochter von Wilhelm Buschs Frankfurter Gönnerin Johanna Keßler, aus deren Besitz 1943 noch 182 Wilhelm-Busch-Briefe zusammen mit den beiden aquarellierten Bilderfolgen Moderne Circe und Vetter Franz auf dem Esel sowie zwei der seltenen Radierungen des Künstlers in die Sammlung kamen. Nach der Helene gelang im weiteren Verlauf des Jahres 1932 die Erwerbung der Bildergeschichten-Handschrift des sechsten Kapitels von Plisch und Plum.

Wilhelm Busch, "Max und Moritz", Szene aus Blatt 18 der Handschrift, 1863/64 (WBM)
Vorbesitzerin dieser mit Mitteln des Vereins für öffentliche Kunstsammlungen angeschafften 19 Federzeichnungen war Elisabeth Nöldeke, die Witwe von Buschs Neffen Adolf. Nur wenige Wochen später kündigte sich hinsichtlichdes Erwerbs von Bildergeschichten-Originalen bereits der "dritte Streich" an: Der Ankauf von Buschs berühmtester Bildergeschichte Max und Moritz war in greifbare Nähe gerückt.

Wilhelm Busch, "Die Fromme Helene", Blatt 104 der Handschrift, 1872 (WBM)
In seinem Schreiben vom 4. November 1932 informierte Emil Conrad Stadtrat Engelke darüber, dass der Verlag Braun & Schneider bereit sei, die Bildergeschichte zum Preis von 5.000 RM, "zahlbar bis zum 1. Dezember inbar" zu verkaufen. "Ich halte die Bedingungen, die die Firma Braun und Schneider stellt für gerechtfertigt … Es wäre sehr bedauerlich, wenn wir diese Kaufgelegenheit nicht wahrnehmen würden, denn später hin würden wir das Doppelte und Dreifache mindestens zahlen müssen." Vor dem Hintergrund der überragenden Bedeutung von Max und Moritz und Conrads Ausführungen hinsichtlich des Ankaufspreises ergriff die Stadt "diese Kaufgelegenheit" und erwarb die kostbare Handschrift, bestehend aus 52 Blatt mit 98 Zeichnungen, termingerecht zum 1. Dezember 1932. Diesem Ankauf beigefügt war jener wichtige Brief Buschs vom 5. Februar 1865, in dem der Künstler dem Verleger Kaspar Braun die Bildergeschichte "als eine Art kleiner Kinder-Epopoe" zum Kauf anbot.