Erwerbungen für ein neu zu gründendes Museum

Wilhelm Busch, „Johanna Keßler bei der Handarbeit“, um 1870. Aus dem 1936 bei Victoria („Nellie“) Peill getätigten Ankauf (WBM)
Die in diesen Jahren gerade auch in Hinblick auf ein neu zu gründendes eigenes Museum forciert voran getriebenen Erwerbungsaktivitäten charakterisierte der stellvertretende Vorsitzende der Busch-Gesellschaft, Dr. Walther Lampe, auf der Jahrestagung 1935 wie folgt: „Es war keine laute Tätigkeit. Wir sind nicht mit schwungvollen Veranstaltungen oder großen Publikationen hervorgetreten, aber wir haben etwas getan, was doch nicht ungeachtet bleiben darf: Wir haben gesammelt!“ – Auf eine knappe Formel gebracht, beschrieb er damit anschaulich die von Beginn an konsequent verfolgte Erwerbungsstrategie der Gesellschaft: Die Konzentration auf Ankäufe aus privater Hand, die weitaus kostengünstiger als im Handel zu realisieren waren; dabei diskret im Hintergrund agierend, um nicht etwaige Begehrlichkeiten im Kunsthandel entstehen zu lassen sowie schließlich Erwerbungen tatsächlich nur dann im Handel zu tätigen, wenn es sich um unbestritten herausragenden Werke handelte.

Auch in den beiden nächsten, sich bis zur Eröffnung des Wilhelm-Busch-Museums anschließenden Jahren, widmete sich Conrad mit nicht nachlassendem Elan der Akquisition von Wilhelm-Busch-Werken. „Im Anschluss an eine 14tägige Ferienreise habe ich einen weiteren Teil meines Urlaubs benutzt, um für die W.B.G. tätig zu sein“, berichtete er Arthur Menge in seinem Brief vom 30. Juli 1936. Neben Dresden, Leipzig und München war auch Frankfurt eine seiner Reisestationen: „Da ich in Erfahrung gebracht hatte, dass die Verhältnisse der Familie Peill [Nachfahren von Johanna Keßler] sich verschlechtert und sie deshalb bereit wären, die in ihrem Besitz befindlichen Buschsachen zu veräussern, bin ich kurzer Hand dort hingefahren. Es handelt sich um folgendes:

 

141 Briefe
13 Briefe, Gedichte mit Zeichnungen
1 Buntstiftzeichnung Rast im Walde
3 Zeichnungen für Kinder
3 Bleistiftzeichnungen 2 Aquarelle (Seltenheiten)
1 gr. Bleistiftzeichnung (Frau Johanna Kessler).“

Wilhelm Busch, „Der Heilige Antonius von Padua“, Blatt 19 der Handschrift, 1869 (WBM)
Neben diesem erfolgreich abgeschlossenen Ankauf sorgte wenig später die Erwerbung der Bildergeschichten- Handschrift Der Heilige Antonius von Padua für die nächste willkommene Bereicherung der Sammlung.

Vorbesitzerin der 74 Federzeichnungen war die Tochter des Kronberger Malers Anton Burger, zu dem Wilhelm Busch während seiner Frankfurter Jahre intensiveren Kontakt gehabt hatte.

Die enge Verbundenheit der Nachfahren des Künstlers mit der Gesellschaft spiegelte sich im Rahmen der Neuerwerbungen dieser Jahre nicht nur in den von ihnen moderat formulierten Verkaufspreisen wider, sondern fand ebenso in zahlreichen großzügigen Schenkungen ihren Ausdruck. Unter diesen Stiftungen befanden sich bedeutende Werke wie die Originalmanuskripte beider Fassungen von Wilhelm Buschs Selbstbiographie Von mir über mich und die 53 Blatt umfassende fragmentarische Bildergeschichten-Handschrift Herr und Frau Knopp, die Otto Nöldeke dem Archiv 1936 bzw. 1939 übergab.

Die beeindruckende Bilanz der seit 1927 erfolgreich geführten Sammeltätigkeit bieten die Mitteilungen der Wilhelm- Busch-Gesellschaft 1937. Demnach befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits „754 Gemälde und Zeichnungen, einschließlich Bildergeschichten, 800 Manuskripte und Handschriften, 457 Abschriften, 544 Bände und Einzeldrucke von Werken Wilhelm Buschs … 270 Nummern Verschiedenes, darunter die Bibliothek Busch“ im Archiv.


Mit der im Sommer 1937 erfolgten Eröffnung des Wilhelm- Busch-Museums wurden nun auch die aus räumlichen Gründen bis dahin im städtischen Kestner-Museum untergebrachten Originale, darunter die Handschriften von Max und Moritz und Schnurrdiburr oder die Bienen gemeinsam mit den ebenfalls aus städtischem Besitz stammenden, aber bis dato im Landesmuseum verwahrten zehn Gemälden und Originalzeichnungen des sechsten Kapitels von Plisch und Plum, mit all jenen anderen, bisher in den Räumen des Kulturrings gelagerten Werken Buschs, zu einer zentralen Sammlung zusammengeführt. Nur wenige Wochen zuvor war es der Stadt nach intensiven Verhandlungen noch möglich gewesen, der Provinz Hannover die beiden kostbaren Handschriften Die Fromme Helene und Der Geburtstag oder die Partikularisten für das neue Museum abzukaufen.

Franz von Lenbach, „Wilhelm Busch“, 1877 (WBM)
Trotz der für die Gesellschaft nun neu hinzugekommenen Museumstätigkeit blieb die Erweiterung der Sammlung nach wie vor ein zentrales Anliegen. Mit unermüdlichem Einsatz spürte Emil Conrad weiterhin viele bedeutende Ankaufsmöglichkeiten auf, die er infolge seines verhandlerischen Geschicks meist zu einem positiven Ergebnis brachte. Zu den von ihm in diesen Jahren getätigten Ankäufen gehörte auch das Werk eines bekannten Künstlers der Münchener Schule. So erwarb er am 1. Februar 1938 in der Berliner Kunsthandlung Victor Rheins das berühmte Wilhelm- Busch-Portrait von Franz von Lenbach zum Preis von 3.000 RM.

Auch nach der auf politischen Druck 1938 erzwungenen Ablösung Arthur Menges aus seinem Amt als Oberbürgermeister und im Frühjahr 1939 ebenfalls aus dem Vorstand der Busch-Gesellschaft, änderte sich bezüglich der Ankäufe das Verhältnis zwischen der Gesellschaft und der Stadt Hannover nicht. Menges Nachfolger im Amt, Dr. Henricus Haltenhoff, folgte dem ehemaligen Oberbürgermeister auch als Vorsitzender der Wilhelm-Busch-Gesellschaft.