Spendenaufruf für ein Kasperletheater und 40 Gemälde aus Bukarest
Im April 1940 wandte sich die Busch-Gesellschaft mit einem Spendenaufruf an ihre Mitglieder. Hierin warb sie um finanzielle Unterstützung des von ihr gewünschten Ankaufs von einem Kasperletheater, das Wilhelm Busch gemeinsam mit Friedrich Kaulbach für die Kinder ihres Freundes Lorenz Gedon bemalt hatte und „40 original-Oelgemälde … die anscheinend während der Inflation [ins Ausland] ausgeführt worden sind.“ Während es sich bei dem Puppentheater um das aktuelle Angebot eines Münchener Kunsthändlers handelte, hatte sich Emil Conrad um den Ankauf der Gemälde und neun Handzeichnungen bereits 1939 persönlich in Bukarest bemüht. „Der Ankauf ist damals gescheitert, weil der geforderte Kaufpreis bei weitem zu hoch erschien“, teilte der 1. Vorsitzende, Oberbürgermeister Haltenhoff, dem Schirmherrn der Busch-Gesellschaft, Reichsminister Rust in Berlin, 1941 brieflich mit. Zwischenzeitlich sei es aber gelungen, „ein neues und wesentlich niedrigeres Kaufangebot dieses Kunsthändlers zu erreichen … Dieser Kaufpreis ist für die Wilhelm-Busch-Gesellschaft ohne weiteres tragbar, jedoch liegt die Schwierigkeit darin, den Gegenwert in amerikanischer Valuta zu beschaffen … Namens der Stadt Hannover und der Wilhelm-Busch-Gesellschaft wäre ich Ihnen, hochverehrter Reichsminister zu großem Danke verpflichtet, wenn Sie die Berliner Devisenstelle darauf aufmerksam machen würden, dass der Erwerb dieses einmaligen Kunstbesitzes und die Überführung nach Hannover von großer kultureller Bedeutung ist.“
Dank der großzügig eingegangenen Mitgliederspenden und des möglich gewordenen Umtauschs von einem Teilbetrag davon in amerikanische Währung konnten sowohl das Puppentheater als auch die Gemälde und Zeichnungen erworben werden.
Der in Rumänien erfolgte Ankauf fand im Frühjahr 1942 in der deutschen Presse ein weites Echo. So berichteten u. a. die Münchner Neueste Nachrichten ihren Lesern im April 1942: „Ueber 30 Ölbilder und Ölskizzen unterschiedlichen Formats türmen sich auf einem Tischchen zu einem kleinen Berg: jüngst erst sind sie aus einem der Balkanländer eingetroffen, wo sie der Mitbegründer und langjährige Geschäftsführer der Busch=Gesellschaft, Emil Conrad, aufgestöbert und schließlich auch losgeeist hat.“5