Auf der Suche nach einem neuen Haus

Im Gegensatz zu den meisten literarischen Gesellschaften, die nach dem Krieg aufgelöst wurden, blieb die Busch-Gesellschaft unbehelligt; Bankkonten wurden nicht gesperrt. Man hatte es der mündlichen Vermittlung des Beiratsmitgliedes Dr. Ferdinand Stuttmann zu verdanken, dass die Gesellschaft durch „die Verfügung der Militärregierung … vom 20. März 1946 … wieder zugelassen“ wurde. Mit dieser Genehmigung zur Weiterarbeit begannen unverzüglich die Bemühungen um ein neues Domizil für die Busch-Gesellschaft, für den Kulturring mit seinen neunzehn angeschlossenen Vereinen sowie für das Hermann-Löns-Archiv. Gleichzeitig bat man die Stadt Hannover um die Gewährung des „üblichen Zuschusses“ von 8.800 RM jährlich, um weiterarbeiten zu können. Nach der Währungsreform 1948 wurde die Bitte um einen Zuschuss „von zunächst DM 600 monatlich“ neu formuliert: ansonsten sähe sich die Gesellschaft gezwungen, „Gegenstände aus dem Museum zu veräußern, entgegen den zwischen der Stadt Hannover und uns getroffenen Vereinbarungen.“

Am 2. April 1949 erschien ein Notruf für Wilhelm Busch betitelter Beitrag des Beiratsmitglieds Dr. Robert Dangers u. a. in der Deutschen Volkszeitung, der „besonders die hannoverschen und niedersächsischen Kulturbehörden“ aufforderte, „für den gesamten Original-Nachlass von Wilhelm Busch … ein würdiges Haus zur Verfügung zu stellen.“ Daraufhin boten die weitgehend unzerstört gebliebenen Städte Speyer, Celle und Heidelberg der Wilhelm-Busch-Gesellschaft Räume an. Der Kunstverein Braunschweig fragte im Brief vom 2. Mai 1949, wieviel Raum man benötige und ob man prinzipiell an einer Übersiedelung nach Braunschweig interessiert sei? Später, als klar war, dass die Gesellschaft das Wallmodenpalais beziehen würde, verriet der Geschäftsführer des Kunstvereins Braunschweig, Dr. Otto Stelzer: „Wir hatten vor … Ihnen das Schloss Richmond anzubieten … Wilhelm Busch und Wilhelm Raabe hätten für Braunschweig ein gutes Dioskurenpaar gegeben …“

Die parallel mit der Stadt laufenden Verhandlungen hatten zwischenzeitlich zum Erfolg geführt: Mit Schreiben vom 4. März 1949 teilte das Städtische Presse- und Kulturamt Lampe mit, dass beschlossen worden sei, „das Wallmoden-Palais im Georgengarten der Wilhelm-Busch-Gesellschaft zu überlassen, damit sie dort das Wilhelm-Busch-Museum einrichten kann.“ Allerdings hatte die Sache einen Haken: Wegen überaus dringenden Raumbedürfnisses mussten auch der Meisterschule für das gestaltende Handwerk einige Räume zur Verfügung gestellt werden. Emil Conrad bedeutete dem Stadtkämmerer Weber darauf in einem ausführlichen Brief vom 11. März 1949, dass, sollten Gesellschaft und Museum überhaupt weiter existieren, es notwendig sei, dass Büro und Archiv nach Hannover kämen, außerdem benötige er eine Wohnung für sich und die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen und eine für einen Hausmeister. An einen Wiederaufbau sei ohne die (im Ostflügel vorhandenen) Wohnungen nicht zu denken. Sollte die Gesellschaft seitens der Stadt Hannover und des Landes Niedersachsen nicht die entsprechende Unterstützung erhalten, möge die Stadt Hannover doch in Erwägung ziehen, das Museum zu übernehmen – was „allerdings bedauerlich wäre, weil die Gesellschaft als private Einrichtung viel billiger kaufen kann und auch Stiftungen, sachlicher und geldlicher Art, erhalten dürfte.“