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Niedersächsisches Dichter-Archiv oder Sammlung Kritische Grafik?
Sicherlich auch als Konsequenz des zunehmenden Erfolgs der Karikaturenausstellungen zeichnete sich 1963 eine neue Entwicklung ab: Im September jenes Jahres bestätigte Friedrich Bohne Stadtrat Heinz Lauenroth vom Kulturamt schriftlich „ein Gespräch, das Sie mit dem Unterzeichneten geführt und worin Sie ihn ermuntert haben, einen Grundstock einer Sammlung kritischer Graphik zu schaffen. Sie stellen zu unserer Freude für das Jahr 1963 einen Ankaufsbetrag in Höhe von insgesamt 10000,– DM zur Verfügung.“ Im gleichen Schreiben informierte Bohne bereits über den ersten Ankauf: „Es ist uns nach allerdings sehr langwierigen Bemühungen gelungen, 16 Originalzeichnungen von Paul Flora, zweifellos die schönsten aus der Flora-Ausstellung … zu erwerben“.
Doch schon vor dem Bestätigungsschreiben vom September 1963 hatte Friedrich Bohne offenbar ‚grünes Licht‘ erhalten und erste Ankaufsverhandlungen gestartet. In einem Brief an die Witwe Erich Ohsers, Marigard Klumbies-Ohser, vom 26. August 1963 schreibt Bohne: „Lieb wäre es mir, wenn wir dann auch über die kleine Auswahl sprechen könnten, die das Wilhelm-Busch-Museum für seine Sammlung gern erwerben würde.“ Im November 1963 war auch dieser Ankauf getätigt. Insgesamt 21 Zeichnungen und Skizzen von Erich Ohser alias e.o.plauen konnten für die entstehende Sammlung Kritische Grafik erstanden werden.
Eigentümerin in diesem – wie in allen anderen Fällen auch – war stets die Stadt Hannover, die die Arbeiten der Wilhelm-Busch-Gesellschaft für ihr Museum dauerhaft zur Verfügung stellte. Im Frühjahr 1964 wurde in einer Vorstandssitzung der Wilhelm-Busch-Gesellschaft zwar noch bekräftigt, „die Pläne, im Wilhelm-Busch-Museum ein niedersächsisches Dichterarchiv aufzubauen, bleiben bestehen“, doch das Thema „Karikatur und kritische Grafik“ verfestigte sich immer mehr. In der gleichen Vorstandssitzung berichtete nämlich Stadtrat Heinz Lauenroth auch, dass sich das Vorhaben, den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Westflügel des Wallmodenpalais wieder aufzubauen, langsam konkretisieren würde. In ihm solle, so Lauenroth, „vor allem die im Aufbau befindliche Sammlung kritische Graphik ihren Platz erhalten und auch ausgestellt werden.“ Aufgrund der dadurch angestoßenen Entwicklung war es kaum mehr als eine Formsache, als im November 1966 die Entscheidung fiel, das Hermann- Löns-Archiv an das Kulturamt der Landeshauptstadt Hannover abzugeben. Damit war die Idee eines Niedersächsischen Dichter-Archivs im Wilhelm-Busch-Museum auch offiziell ad acta gelegt.