Von Manfred Schmidt bis Edward Sorel
In den vergangenen Jahren haben verschiedene Erwerbungen, Schenkungen und Dauerleihgaben den Bestand an Karikaturen, Cartoons und Bildergeschichten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfreulich erweitert. An herausragender Stelle ist hier zweifellos Manfred Schmidt zu erwähnen, der alle 1998 in der Ausstellung Kombiniere: Nick Knatterton präsentierten Arbeiten dem Museum schenkte. Ihm tat es 2001 Walter Hanel gleich mit 115 Blättern aus der Ausstellung Charaktere und Karikaturen. Ernst Kahl überließ dem Museum 1998 32 zum Teil großformatige Arbeiten als Schenkung bzw. Dauerleihgabe, und Ronald Searle stiftete dem Museum im gleichen Jahr 18 Zeichnungen, entstanden in den Jahren 1950 bis 1995, sowie 2001 sein gesamtes künstlerisches Archiv. Im Dezember 2003 übergab der österreichische Karikaturist Gustav Peichl alias Ironimus dem Museum 20 seiner Karikaturen zur deutschen und internationalen Politik, und die Witwe von Roland Kohlsaat, Sigrid Kohlsaat, im April 2004 die Originalzeichnungen von zwanzig Folgen der Bildergeschichte Jimmy das Gummipferd. Das umfangreichste Konvolut in dieser Reihung ist der Nachlass des Zeichners, Musikers und Dichters Volker Kriegel. Er konnte 2005 mit Unterstützung des Bundes, Dank einer Schenkung von Ev Kriegel, der Witwe des Künstlers, und einer privaten Spende erworben werden. Unter den rund 730 Zeichnungen sind neben bekannten Umschlagillustrationen und Cartoons auch die Zeichnungen für die in seinen letzten Lebensjahren entstandenen Kinderbücher wie Erwin mit der Tröte oder die drei Geschichten von Olaf, dem Elch.
Seit seiner Gründung im April 2002 hat sich der Verein der Förderer des Wilhelm-Busch-Museums Hannover engagiert seinem satzungsgemäßen Ziel gewidmet, die Sammlungen des Museums zu erweitern. Über 60 Dauerleihgaben konnte der Verein dem Museum bisher übergeben. Dazu gehören die Zeichnungen der neun Künstler - Ralf Bergner, Paul Flora, Gerhard Glück u.a. -, die der Verein anlässlich seiner Gründung als Geschenk erhalten hat.
Einige der schönsten Blätter seiner Sammlung konnte der Förderverein aus laufenden Ausstellungen des Museums heraus ankaufen, so 2005 acht Zeichnungen von Marie Marcks. Andere Ankäufe wurden bei Atelierbesuchen eingefädelt: Seit 2004 gehört deshalb auch das 1991 von Sebastian Krüger geschaffene Porträt des ehemaligen deutschen Finanzministers Theo Waigel zur Sammlung des Vereins.
2005 gelang es dem Verein der Förderer, zwei Zeichnungen von Edward Sorel anzukaufen. Sie waren in der im Herbst 2004 präsentierten Werkschau Gesichter Amerikas des New Yorker Künstlers zu sehen gewesen: Casablanca, eine Porträtcollage der Stars aus dem berühmten Film, sowie Charles de Gaulle und Franklin D. Roosevelt aus der Reihe First Encounters. Zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Nancy Caldwell Sorel, hat er über zwölf Jahre für das amerikanische Magazin The Atlantic Monthly erste Begegnungen berühmter Musiker, Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler oder Politiker in Erinnerung gerufen. Eine "erste Begegnung", die von Sigmund Freud und Gustav Mahler, haben wir bereits in unserer Sammlung, nun auch eine "zweite erste", die von Charles de Gaulle und Franklin D. Roosevelt.
2007 konnten zehn Karikaturen des Simplicissimus-Zeichners Wilhelm Schulz (1865-1952) angekauft werden, die ehemals im Besitz der Tochter des Künstlers waren. Schulz gilt als der lyrischste und romantischste unter den Zeichnern des Simplicissimus. In vielen Blättern hat er den winkligen Gassen, den Häusern und Plätzen seiner Heimatstadt Lüneburg ein Denkmal gesetzt oder mit märchenhaft anmutenden Bildern Erinnerungen aus dem 19. Jahrhundert beschworen. Aber es gibt auch eine sozialkritische Seite im Werk von Wilhelm Schulz, Zeichnungen, in denen er das soziale Elend, den Hunger und die Not weiter Bevölkerungsschichten beschreibt. In diesen Blättern ist sein Strich spröde und hart. Schulz inszeniert dramatische Bildszenen durch kühne Perspektiven, durch die Anschnitte von Motiven oder das Hochzoomen der Figuren.