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Landschaft mit Rotjacke

So 08.06.2008 - So 24.08.2008

Bauer mit Kühen
Warum malte Wilhelm Busch so viele Rotjacken? Von eintausend Ölbildern zeigen ungefähr 280 seiner Arbeiten Menschen, die rote Jacken tragen: streitende Bauernpaare, Hirten oder Kartenspieler. Dann gibt es eine engere Gruppe von etwa 70 Gemälden, die ausschließlich Landschaften mit Rotjacken abbilden. Warum? Aus ästhetischen Gründen, weil Rot die Komplementärfarbe zum Grün der Wiesen und Wälder seiner Heimat ist? Oder aus sentimentalen Gründen, weil Busch 1853 eine rote Jacke von seinen flämischen Vermietern geschenkt bekommen hat, die den Typhuskranken liebevoll pflegten, bis er Antwerpen verlassen konnte? Rot als Ausdruck von Wärme und Hoffnung?

Landschaft in Wiedensahl
Im März 1851, kurz vor dem Examen im Fach Maschinenbau, verlässt Wilhelm Busch die Polytechnische Schule in Hannover, um in Düsseldorf Malerei zu studieren. Unzufrieden mit der konservativen Ausbildung wechselt er im Mai 1852 nach Antwerpen an die Königliche Akademie der Schönen Künste. Hier sieht er zum ersten Mal die Werke alter Meister – Rubens, Brouwer, Teniers, später Frans Hals –, die ihn ein Leben lang begleiten sollten. Krankheit und Rekonvaleszenz binden ihn über ein Jahr an sein Heimatdorf Wiedensahl, bevor er sich im November 1854 in München an der Königlichen Kunstakademie immatrikuliert. Busch hat also, lange bevor er im Herbst 1858 seine Tätigkeit als Autor von Bildergeschichten im Verlag Caspar Braun, später bei Otto Bassermann, aufnimmt, regelmäßig freie künstlerische Arbeiten angefertigt, ob als Skizze oder akademische Studie, ob mit Bleistift auf Papier oder mit dem Pinsel auf Malpappe. Und als er 1884 mit dem Erscheinen des »Maler Klecksel« 52-jährig die berufliche Bildergeschichtenzeichnerei aufgibt, widmet er sich weitere zehn Jahre der freien Kunst, dabei immer moderner werdend, bis an den Rand der Abstraktion reichend, so dass junge Avantgardisten wie Paul Klee in ihm einen Vorläufer ihrer eigenen Kunst erkennen. Erst nach seinem Tod am 9. Januar 1908 werden die Ölbilder von Busch zum ersten Mal in einer Münchener Verkaufsausstellung bekannt, weil der Künstler selbst Zeit seines Lebens diese nie öffentlich ausgestellt hatte. Mit einem Schlag tritt jetzt der revolutionäre Geist zutage, den die um 1890 entstandenen Bilder atmen.

Die Bedeutung, welche die Menschen in der Landschaft einnehmen, ändert sich gegenüber früher grundlegend. Genrehaft erzählende Züge treten gegenüber formalen Gesichtspunkten zurück. Der Bauer, der die Zeitung liest, während die Kuh weidet, die Kinder oder der flötende Hirte, der die arkadische Stimmung einer Pastorale ausdrückt: diese wie andere novellistische Elemente machen jetzt den bloßen Farben Platz. Der Mensch wird, wie alles andere Dargestellte, zuerst und vor allem zum reinen Farbträger. Farben treten weitgehend an die Stelle von Räumlichkeit und Himmelsatmosphäre. Im Zuge dieser Entwicklung abstrahiert die ehedem erkennbare Rotjacke zum reinen Farbfleck, der dem Spektrum der Farben des Gesamtbildes einen Fokus verleiht, in dem Künstler wie Betrachter ihren letzten festen Haltepunkt finden.

Veranstaltungsinformationen
Datum:
08.06.2008 bis 24.08.2008
Uhrzeit:
00:00 Uhr
Ort:
Wilhelm Busch · Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst