8. Juni bis 24. August 2008: Franziska Becker

Franziska Becker, 1949 in Heidelberg geboren, ist seit 1977 freischaffende Karikaturistin. Durch die Heidelberger Frauenbewegung kam sie in Kontakt mit Alice Schwarzer, an deren Zeitschrift "EMMA" sie von der ersten Ausgabe an mitarbeitet. Daneben veröffentlicht sie ihre Zeichnungen in zahlreichen anderen Zeitschriften wie im "Kölner Stadtanzeiger" im "stern" oder in der "Titanic". Bestseller wurden ihre Bücher "Mein feministischer Alltag", "Männer", "Weiber" oder "Feminax und Walkürax", eine Parodie auf Asterix und Obelix.

In der Zeit vom 8. Juni bis 24. August 2008 präsentiert das Wilhelm-Busch-Museum Hannover eine rund 80 Arbeiten umfassende Ausstellung der bekannten Zeichnerin. Gezeigt werden tagespolitische Karikaturen und satirische Bildergeschichten, Cartoons und Comics, die einen Einblick in die vielfältige Themenwelt von Franziska Becker vermitteln: Diät, Mode, Geld, Männer, Frauen, Paare, Alter, Jugendwahn, Bundespolitik, Kinder, Yuppies, Reisen, tiefer Ernst und höherer Blödsinn.


Franziska Becker hat zwei große Fähigkeiten, die Fundament ihres Werkes sind: Sie ist eine exzellente Beobachterin und eine genaue Zuhörerin. Sie sammelt Eindrücke, speichert typische Szenen. Das Gesehene und Gehörte ergänzt sie durch Lektüre, die nicht selten intensive Recherche ist. Aus all diesen gefilterten Eindrücken entstehen dann Skizzen, werden Ideen für Geschichten, die durch ihre Authentizität und die spürbare, oft selbstironische Anteilnahme der Künstlerin an ihren Figuren bestechen.

Das Gefühlsleben ihrer gezeichneten Charaktere, die sich stets durch eine große Liebenswürdigkeit auszeichnen, enthüllt Franziska Becker detailliert, in allen Nuancen - mit minimalistischen Mitteln und dramatischen Gesten. Mit ihren Bildergeschichten steht die Künstlerin in der Tradition von Wilhelm Busch, der für sie "ein absoluter Liebling" seit ihrer Kindheit ist. Als prägende Künstler nennt sie ferner Tomi Ungerer, doch heute stärker noch die großen englischen Karikaturisten von William Hogarth bis Thomas Rowlandson. Daneben hat die Zeichnerin sich aber auch intensiv mit dem französischen Comic beschäftigt.

Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung mit der Tradition und Gegenwart kritischer Kunst ist eine sehr bewusste, sehr eigenwillige und sehr temperamentvolle eigene Handschrift, in der sich Bild und Wort kongenial miteinander verbinden. Auf diese Weise gelingen ihr treffende Milieustudien im Sinne von William Hogarth: "modern moral subjects", soziologische Kabinettstücke par excellence.

Katalog zur Ausstellung: Franziska Becker (112 Seiten, Hardcover, 33 x 25 cm, 96 farbige Abbildungen, 24,90 €).