Wilhelm Busch als Naturbeobachter

So 18.10.2009 - So 24.10.2010

"Was mich alten Jungen anbelangt, so seh ich noch immer gern zu, wie's draußen im Wechsel der Jahreszeiten so wächst und wird und vergeht. Anitzo drängt alles in Laub und Blüthen, daß die Welt schier eng davon wird. Weit hinaus seh ich die Felder gekleidet in's schönste Roggengrün, dahinter, dito, den aufgelebten Buchenwald", schreibt Wilhelm Busch (1832-1908) im Mai 1890 an die ihm freundschaftlich verbundene Marie Hesse. Beispielhaft belegt diese Äußerung seine intensive Naturverbundenheit, die sich von früher Zeit bis zu seinem Tode zu einer Grundkonstante in seinem künstlerischen Schaffen und zu einem Leitmotiv in seinen Korrespondenzen entwickelte.

Wilhelm Buschs systematische Beschäftigung mit der Natur setzte bereits in der Kindheit ein: Ab 1841 erhielt der neunjährige Knabe von seinem Onkel Pastor Georg Kleine, einem bekannten Bienenforscher und Darwinisten, Privatunterricht im Ebergötzener Pfarrhaus. Neben der Vermittlung von schulischem Grundwissen führte Georg Kleine seinen Neffen auch an naturwissenschaftliche Studien heran und animierte ihn zum Zeichnen. Mit rasch wachsendem Interesse begann der junge Busch parallel zu den akademischen Pflichtübungen seine eigenen Naturbeobachtungen in zahlreichen Studien festzuhalten. In einem anfänglich noch festgefügten Duktus, der bald von einer lockeren, souveränen künstlerischen Behandlung abgelöst wurde, widmete er sich im Verlauf seines Lebens mit großer Kontinuität und Leidenschaft der künstlerischen Wiedergabe seiner heimatlichen Umgebung. d. h. den dort ansässigen Menschen, der Landschaft mit ihren Details, wie Bäume, Pflanzen, Findlingssteinen und Tieren.

Außer in seinen Gemälden und Zeichnungen tritt Wilhelm Buschs enge Verbundenheit mit der Natur auch in seinen zahlreichen Briefen als fundamentales Motiv in Erscheinung. Sorgfältig schildert er, der Zeit seines Lebens die ländliche Zurückgezogenheit bevorzugte, in diesen Mitteilungen seine präzisen Beobachtungen zum Wetter, zum Wachstum der Pflanzen in seinem Garten und in freier Natur ebenso wie zum vielfältigen Tierleben seiner unmittelbaren Umgebung.

Es fällt auf, dass sich mit voranschreitendem Lebensalter des Künstlers eine allmähliche Veränderung im Tenor seiner schriftlichen Naturschilderungen vollzieht: Während in den für seine Verwandten bestimmten Schreiben nach wie vor die mehr sachliche Berichterstattung zum jahreszeitlichen Stand der Tier- und Pflanzenwelt dominiert, zeichnen sich dagegen seine Mitteilungen der späten Jahre, die er an Freunde wie den Münchener Maler Franz von Lenbach oder die Frankfurterin Johanna Kessler richtet, durch einen zunehmend gleichnishaften Charakter aus. So etwa der für Johanna Kessler bestimmte Brief vom 24. Dezember 1905: "Täglich beseh ich im Garten die träumenden Pflanzen. Sie leben noch, erwach wieder, wenn der Frühling kommt, und so nehm ich sie als Bild unseres eigenen Daseins."

Veranstaltungsinformationen
Datum:
18.10.2009 bis 24.10.2010
Eintritt:
Einzelkarte 4,50 Euro, Familienkarte 10 Euro, Ermäßigt 2,50 Euro