Heinrich Kley (1863-1945) - Ein Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit
So 22.05.2011 - So 21.08.2011
Die Biographie und das Werk des zu Lebzeiten bekannten und erfolgreichen Künstlers Heinrich Kley (geboren 1863 in Karlsruhe, gestorben 1945 in München) sind von der kunsthistorischen Forschung erst vor kurzem aufgearbeitet worden. Bis dahin war er allenfalls Kennern des Münchner Kunstlebens der vorletzten Jahrhundertwende sowie Sammlern seiner Arbeiten in Deutschland und den USA ein Begriff.
Die 134 Exponate umfassende Ausstellung im Wilhelm Busch • Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst zeigt, dass Kleys Werk zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist und gleichermaßen durch seine Qualität wie Originalität besticht. Insbesondere gilt dies für die Zeichnungen und Aquarelle des Künstlers. Arbeiten auf Papier stehen daher im Mittelpunkt dieser Rückschau auf Kleys Leben und Schaffen. Erstmals wird das Werk des Malers und Zeichners Heinrich Kley in einer umfassenden monographischen Ausstellung gezeigt und in den Kontext seiner Zeit gestellt.
Heinrich Kley genoss den Ruf eines erstrangigen Industriemalers, der seine Motive hauptsächlich in den Kruppschen Gussstahlfabriken fand. Wie kaum ein zweiter verstand er es, die atmosphärischen Stimmungen jener Welt durch die Verbindung von zeichnerischer Präzision und koloristischem Feingefühl einzufangen.
Der breiten Öffentlichkeit wurde Kley durch die Mitarbeit an den Zeitschriften Simplicissimus und Jugend bekannt. Vor dem Ersten Weltkrieg publizierten sie hunderte seiner humoristischen, satirischen und grotesken Federzeichnungen, in denen er Themen der Gesellschaftspolitik, des technischen Fortschritts sowie
des Verhältnisses zwischen Mann und Frau aufgriff. Wie die Gegenüberstellung dieser Werke mit denen der Zeitgenossen Max Klinger, Franz von Stuck, Alfred Kubin und den Mitarbeitern des Simplicissimus zeigt, stehen sie ihnen im Hinblick auf technische Virtuosität, psychologisches Einfühlungsvermögen und bildnerische Phantasie in nichts nach.
Mit gleicher Könnerschaft charakterisierte Kley menschliche Verhaltensweisen durch Mensch-Tier-Vergleiche. Jahrzehnte später faszinierten diese Darstellungen Walt Disney, der die Arbeiten des Künstlers nicht nur sammelte, sondern auch als Inspirationsquelle für seine Zeichentrickfilme nutzte. Hierdurch erfuhr sein Werk noch zu Lebzeiten Rezeption durch ein revolutionäres künstlerisches Medium.
Heinrich Kley wurde am 15. April 1863 als einziges Kind des Silberschmieds Theodor Kley (1831–1870) und seiner Ehefrau Emma (1841–1908) in Karlsruhe geboren. Von 1880 bis 1885 studierte er an der Karlsruher Kunstschule unter dem Historienmaler Ferdinand Keller (1842–1922), der ihm ein profundes handwerkliches Können und akademisches Wissen vermittelte.
Kley war mit dem Kunstleben seiner Heimatstadt Karlsruhe eng verbunden und nahm – nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Notwendigkeit – Aufträge unterschiedlichster Art an. Die in diesem Kontext entstandenen Werke sind sowohl motivisch als auch stilistisch relativ heterogen und reichen von der illustrativen Dokumentation des Zeitgeschehens bis zur topografischen Vorlage für Ansichtskarten. Mit seinem weiteren Schaffen haben sie nur wenige Berührungspunkte.
Die von Dr. Alexander Kunkel kuratierte Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Villa Stuck in München.
Katalog zur Ausstellung: Heinrich Kley (1863–1945) Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit (127 Seiten mit zahlreichen s/w und farbigen Abbildungen, München 2011, 19.90 €)
