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Fruchtbare Erwerbungsjahre
„Die gegenwärtige Zeit ist für derartige Ankäufe ausserordentlich günstig und sollte man die Gelegenheit nicht versäumen, um jetzt noch preiswert Busch-Zeichnungen, Ölbilder, Briefe usw. zu kaufen“, konstatierte Emil Conrad in seinem Brief vom 5. April 1935 an Oberbürgermeister Menge und bat darum, der Gesellschaft finanzielle Mittel „zwecks Ankauf“ von Busch-Werken „für das geplante Wilhelm- Busch-Museum zur Verfügung zu stellen.“ Unter den von ihm in diesem Schreiben konkret aufgeführten Ankaufsmöglichkeiten nannte er “verschiedene Ölbilder und Zeichnungen von Frau Dr. Amos, Bremen … von Fritz Samulon; Berlin, 8 Zeichnungen“ sowie sechzig von Wilhelm Busch an Marie Hesse gerichtete Briefe, die sich im Besitz von Henriette von Schirach, Ehefrau des damaligen Reichsjugendführers und späteren Reichstatthalters und Gauleiters Baldur von Schirach, in München befänden.
„Die für die verschiedenen Ankäufe erforderlichen Teilbeträge können abgerufen werden, sobald das Geld erforderlich wird“, informierte Arthur Menge die Gesellschaft kurz darauf. In einem ersten Schritt erstellte Emil Conrad eine dezidierte Valuation der aus der Bremer Sammlung Amos ins Auge gefassten Arbeiten und sandte diese dem Magistrat zu. Laut Beleg wechselte die Sammlung Amos, die ein Gemälde2 und acht Zeichnungen umfasste, darunter prominente Arbeiten wie ein Blatt aus der Handschrift Plisch und Plum oder die impressionistisch behandelte Rotstiftzeichnung Landschaft mit Steinbrücke über die Ils, am 30. April 1935 in den Besitz der Wilhelm-Busch-Gesellschaft über.
Nur wenige Monate später folgte im September 1935 der nächste umfangreiche Neuzugang. Von Otto Nöldeke konnten insgesamt 158 Zeichnungen, sechs Skizzenbücher, darunter das früheste von Wilhelm Busch erhaltene so genannte Antwerpener Skizzenbuch und das berühmte Brannenburger Skizzenbuch zusammen mit 47 Gemälden erworben werden.
Unter den Gemälden dieses Ankaufs befanden sich wichtige Werke aus Buschs späten Schaffensjahren wie beispielsweise die furios gemalte Lüthorster Herbstlandschaft.Parallel hierzu führten die Verhandlungen mit Elisabeth Nöldeke dazu, dass im weiteren Verlauf dieses Jahres 50 Handzeichnungen, darunter eindruckvolle Blätter wie die Wiesenlandschaft mit schrägwüchsiger Pappel, sowie „ein paar Ölgemälde“ und die kostbaren Handschriften von Buschs Prosawerk Eduards Traum und Der Nöckergreis angekauft werden konnten.
Zu den weiteren herausragenden Erwerbungen des Jahres 1935 zählt auch der Ankauf der Wilhelm-Busch-Sammlung des jüdischen Bankiers Richard Dammann aus Hannover. 3 Geradezu exemplarisch dokumentieren die in diesem Zusammenhang erhaltenen Unterlagen die Argumentationsweise Emil Conrads gegenüber der Stadt als Geldgeberin für Neuanschaffungen:
„Wir haben Gelegenheit, aus privater Hand sehr preiswert Ankäufe zu tätigen und dürfen diese Kaufgelegenheit nicht vorübergehen lassen, da sonst die Sachen an einen Händler oder ins Ausland gehen,“ schrieb er Arthur Menge am 10. Oktober 1935. Die „Gelegenheit“: Der jüdische Bankier Dammann und seine Familie standen kurz vor ihrer Emigration.
Der Magistrat handelte rasch und bewilligte bereits drei Tage später
den von Conrad angestrebten Ankauf. Mit dem Erwerb dieser Kollektion
gingen im Winter 1935/36 insgesamt sieben Ölgemälde, 66 bedeutende
Zeichnungen nach der Natur und die Handschrift Die Ängstliche Nacht aus den Haarbeuteln gemeinsam mit den Originalzeichnungen der ersten beiden Kapitel des Maler Klecksel, Buschs letzter großer Bildergeschichte, in den Besitz der Gesellschaft über.
2 Dieses Gemälde (Frau, Jungen am Ohr ziehend) ist allerdings im
Gegensatz zu den acht Zeichnungen im Inventarbuch der
Wilhelm-Busch-Gesellschaft nicht nachzuweisen.
3
Siehe dazu den Beitrag von Ruth Brunngraber-Malottke und Peter Schulze:
Richard Damman (1890–1939). Das Portrait eines hannoverschen
Wilhelm-Busch-Sammlers. In: Wilhelm-Busch-Jahrbuch 1995, S. 7ff.