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Die Gleichschaltung
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 änderte sich das politische und kulturelle Klima. Die Gleichschaltung machte auch vor der Wilhelm-Busch-Gesellschaft nicht halt; Blut-und-Boden-Rhetorik, vermischt mit Ergebenheitsadressen an den Führer, schlich sich in die Mitteilungen ein. So schloss anlässlich der Eröffnung der Wilhelm-Busch-Kabinette der 2. Vorsitzende der Gesellschaft, Walther Lampe, seine in den Mitteilungen 1934 veröffentlichten Ausführungen über Wilhelm Busch, aus dessen „urtümlichen Verwobenheit des Bodenständigen mit dem Geniehaften … die junge niedersächsische Künstlerwelt lernen [könne], wie wahres Künstlertum in Auswirkung auf das Ganze nur aus der heimatlichen Scholle erwachse“ mit einem „Heil-Ruf auf den Führer Adolf Hitler, dem wir ja auch zugleich den Aufbruch einer neuen deutschen Kultur verdanken.“
Bereits am 15. März 1933 hatte sich Vorstandsmitglied Otto Levin erschossen. In einer Meldung der Niedersächsischen Tageszeitung vom 16. März heißt es dazu: „Die Gründe zur Tat sind … unbekannt, es ist jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass [sie] … in der Riesenkorruption bei der Hannoverschen Provinzverwaltung zu suchen sind.“ Doch die Hintergründe waren sicher andere: Otto Levin war Jude. Reagierte die Busch-Gesellschaft noch äußerst betroffen auf den Tod Levins, so war sie beim Tod ihres Vorstandsvorsitzenden Dr. Martin Frommhold, Präsident der Landesversicherungsanstalt und Vorsitzender der Ortsgruppe der Deutschen Staatspartei, zurückhaltender. Frommhold hatte sich am 10. April erschossen. Diesem Selbstmord ging eine Rufmordkampagne voraus, die ohne Zweifel auch den Vorstand der Busch-Gesellschaft erreichte, denn zwei Tage vor Frommholds Freitod vertraute Conrad Vorstandsmitglied Oberbürgermeister Dr. Arthur Menge in einem vertraulichen Schreiben an: „Die Frage, ob wir unseren bisherigen Vorsitzenden, Herrn Doktor Frommhold, seitens des Vorstands wieder vorschlagen sollen, macht mir etwas Kopfschmerzen.“
Zwei Jahre vorher hatte sich die Sache noch ganz anders dargestellt: Im September 1931 hatte der Vorstand der Busch-Gesellschaft Martin Frommhold als Nachfolger des kurz vorher verstorbenen Landeshauptmanns von Campe vorgeschlagen. Stadtdirektor a. D. Heinrich Tramm riet von der Wahl Frommholds zum 1. Vorsitzenden aufgrund dessen exponierter Stellung in der Deutschen Staatspartei ab – worauf sowohl Conrad als auch Levin dem 2. Vorsitzenden Lampe, der geneigt war, dem Rat Tramms Folge zu leisten, mit dem Rücktritt von ihren Ämtern in der Gesellschaft drohten: „Ich bin der Meinung“, so Conrad im Brief vom 17. Oktober 1931 an Lampe, „dass uns die Partei-Politik vollkommen egal sein muss, jetzt und in der Zukunft.“