Pei-Yu Chang: Der geheimnisvolle Koffer, 2017

12.11.2022 bis 19.02.2023

Pei-Yu Chang

Buch-Illustrationen in Mixed Media

Ausstellung

Pei-Yu Chang
Schon als Kind wollte Pei-Yu Chang Künstlerin werden, doch aus Rücksicht auf ihre Familie studierte die in Taipeh (Taiwan) geborene Künstlerin zunächst Germanistik. Im Alter von 25 Jahren kam sie nach Deutschland, um über die Chaostheorie in der Literatur zu promovieren. Aus Leidenschaft zur Buchkunst wechselte sie das Studienfach: Kommunikationsdesign und Illustration in Münster. Bereits ihre Abschlussarbeit »Der geheimnisvolle Koffer von Herrn Benjamin« wurde ein riesiger Bucherfolg.

Acrylfarben, Buntstifte, Stempel und Collagen – Pei-Yu Chang arbeitet in der sogenannten Mixed-Media-Technik: »Im Unterschied zum Malen kann ich so vor dem Aufkleben der Materialien verschiedene Kompositionen ausprobieren und Objekte im Bild austauschen, bis ich die passende Haptik gefunden habe. Diesen Prozess des allmählichen sich Annäherns finde ich sehr interessant und er kommt meinem Denkansatz am nächsten «, erläutert die Künstlerin.

Das Thema ihres ersten Kinderbuchs ist die Flucht. Benjamin, »dessen Kopf brillante Ideen aller Art ist« muss fliehen, denn das Regime ist der Meinung, dass »außergewöhnliche Ideen sehr, sehr gefährlich seien«. Obwohl diese Geschichte in Nazideutschland spielt, liest sie sich doch so, dass sie von allgemeiner Bedeutung ist. »Als ich darüber nachdachte, wie ich einen Zugang zum Thema Flucht finde, entdeckte ich einen Text über die Flucht des von Nazis verfolgten Philosophen Walter Banjamin, die an der spanischen Grenze scheiterte – und wie seitdem der Koffer, den er bei sich hatte, unauffindbar ist. Mir erschien dieser geheimnisvolle Koffer wie der Schatz auf einer verlorenen Schatzsucherkarte, wobei es nicht möglich ist, einfach auf der Basis der Karte das zu finden, was man sucht. Genau das eröffnet der Phantasie ungeahnte Möglichkeiten!« Mit ihrem ersten Kinderbuch landete Pei-Yu Chang direkt auf der Longlist der Stiftung Buchkunst zum Thema »Die schönsten deutschen Bücher« und wurde von Kritikern wie Lesern hochgelobt.

Die Ausstellung im Museum Wilhelm Busch zeigt neben den Originalarbeiten aus »Der geheimnisvolle Koffer des Herrn Benjamin« auch Arbeiten aus ihrem Kochbuch der chinesischen Hausmannskost »Hundebraten süßsauer« und der Ringparabel »Wem gehört der Schnee?«, bei dem uns die Künstlerin zur Geschichte von Antonie Schneider über drei Konfessionen an einem Ort, die über den Schnee streiten, mit ihrer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe in ein multikulturelles Israel entführt.