ACH WAS. 103 Jahre Loriot

22. Juni 2026

Nach den großen Ausstellungen zu seinem 50., 65. und 80. Geburtstag feiert das MUSEUM Wilhelm BUSCH nun endlich 103 Jahre Loriot – ein Jubiläum, das dem Meister des feinsinnigen Humors vermutlich besonders gefallen hätte. Warum 103? Weil 100 bereits vorbei ist. Und weil runde Geburtstage ohnehin überschätzt werden.

Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, genannt Loriot, wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren und starb 2011 in Ammerland am Starnberger See. Als Zeichner, Cartoonist, Autor, Regisseur, Schauspieler und Fernsehmoderator schuf er einen Kosmos aus Missverständnissen, Höflichkeitsfallen und den kleinen Katastrophen des Alltags. Sein schonungsloser und zugleich menschenfreundlicher Blick auf die Gesellschaft wirkt auch heute noch erstaunlich gegenwärtig.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „ACH WAS. 103 Jahre Loriot“ entstand in Kooperation mit dem Caricatura Museum Frankfurt und wurde von Till Kaposty-Bliss und Thomas Kronenberg konzipiert und kuratiert. Sie präsentiert auf großzügiger Ausstellungsfläche Zeichnungen, Cartoons, Fotografien, Objekte, Filmausschnitte, Bühnenbildmodelle, Entwürfe und Dokumente aus allen Schaffensphasen Loriots – von frühen Kinderzeichnungen über die Jahre als Gebrauchsgrafiker und Zeitschriftenillustrator bis hin zu den legendären Fernsehsketchen, den Kinofilmen und seinem malerischen Spätwerk.

Die Schau folgt keinem trockenen Museumsduktus, sondern lädt dazu ein, sich durch Loriots Universum treiben zu lassen: zwischen mit Gefühl gekochten Eiern und piefigen Pärchen, zwischen einer radikal matriarchalen Mutter, einem Zimmer zu wenig und einer berühmten Nudel zu viel. Loriots lustvoller Blick auf die menschliche Unzulänglichkeit zeigt, wie befreiend es sein kann, über sich selbst zu lachen. Und sollte all das nicht reichen: bitte mehr Lametta!

Loriot und das MUSEUM Wilhelm BUSCH

Für das Museum ist Loriot kein ferner Ehrengast. Bereits zu seinem 50., 65. und 80. Geburtstag wurde er hier ausgestellt, gefeiert, gewürdigt. Nun kehrt er erneut nach Hannover zurück – wenn auch in Form einer Ausstellung.

Diese macht sichtbar, wie eng Loriot mit der Stadt verbunden war. Im Kapitel „Loriot als Gastgeber, Laudator und Redner“ begegnen Besucher*innen zwei Auftritte, die er in Hannover absolvierte. 1978 sprach er anlässlich der Ausstellung „Bizarr. Grotesk. Monströs. Karikaturen der Zeitgenossen“ in der Kestner Gesellschaft über die Karikatur als kulturellen Außenseiter und die Frage, ob über Kunst überhaupt gelacht werden dürfe. 1991 hielt er im MUSEUM Wilhelm BUSCH eine seiner legendären Reden zur Ausstellung „Karikatur – Europäische Künstler der Gegenwart“. Mit todernster Miene stellte er die Kunstgeschichte auf den Kopf, spottete über Goethe, sinnierte über den Unterschied zwischen Karikaturisten und bildenden Künstlern und verteidigte die Komik als unverzichtbaren Bestandteil der Kultur. Wer ihnen zuhört, versteht schnell, warum Loriot selbst feierlichste Anlässe zuverlässig in heitere Kurzweil verwandeln konnte.

Humor als Kunst der Beobachtung

Wer die Ausstellung besucht, begegnet nicht nur den bekannten Klassikern wie dem Frühstücksei, der Nudel, Wum und Wendelin oder der Steinlaus. Vor allem entdeckt man den Zeichner Loriot neu. Lange bevor er zum Fernsehstar wurde, war er ein präziser Beobachter der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Seine Cartoons erzählen von Menschen, die alles richtig machen wollen und gerade deshalb grandios scheitern. Sie streiten über Belanglosigkeiten, verheddern sich in Höflichkeiten oder verzweifeln an Regeln, die niemand mehr versteht. Loriots besondere Begabung bestand darin, diese Situationen mit äußerster Genauigkeit zu beobachten und dabei nie den Respekt vor seinen Figuren zu verlieren.

Zu den überraschendsten Entdeckungen der Ausstellung gehört Loriots intensive Beschäftigung mit der Oper. Entwürfe für Kostüme und eindrucksvolle Bühnenbildmodelle seiner Inszenierungen von „Martha“ (1986), „Der Freischütz“ (1988) und „Der Ring in einer Nacht“ (1992) eröffnen einen Blick auf einen Künstler, der weit über Cartoon, Fernsehen und Film hinaus wirkte. Gerade dieser weniger bekannte Werkbereich zeigt Loriots gestalterische Fantasie, seinen Sinn für Inszenierung und seine tiefe Verbundenheit mit der klassischen Musik.

Neben den bekannten Arbeiten sind zahlreiche selten gezeigte Entwürfe, Vorzeichnungen, Fotografien und Dokumente zu sehen. Auch Loriots Freund Manfred Schmidt, der Schöpfer des Meisterdetektivs Nick Knatterton, begegnet dem Publikum in der Ausstellung. So entsteht das vielschichtige Porträt eines Künstlers, der die deutsche Humor- und Zeichenkultur des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat.

Ein Künstler von bleibender Aktualität

Loriots Humor altert nicht. Das liegt daran, dass seine Komik nie auf kurzfristige Pointen oder Zeitgeist setzte. Seine Figuren sind keine Karikaturen einzelner Menschen, sondern Spiegel einer Gesellschaft, die sich in Konventionen, Erwartungen und Missverständnissen eingerichtet hat. Wer heute seine Cartoons, Sketche oder Filme sieht, erkennt darin noch immer Nachbar*innen, Verwandte, Kolleg*innen – und nicht selten sich selbst. Sein Werk erinnert daran, dass man die Welt kritisch betrachten kann, ohne verbittert zu sein, und dass Selbstironie vielleicht eine der angenehmsten menschlichen Eigenschaften ist.

Dabei lädt die Ausstellung auch dazu ein, Loriots Werk aus heutiger Perspektive neu zu betrachten. Das gilt etwa für die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, die in vielen seiner Sketche eine zentrale Rolle spielen. Auffällig ist dabei, dass Loriot seine Figuren mit erstaunlicher Ausgewogenheit behandelt. Weder Männer noch Frauen kommen ungeschoren davon, häufig sind es sogar die Frauen, die in seinen Geschichten die größere Durchsetzungskraft besitzen.

Mit der Ausstellung zeigt das MUSEUM Wilhelm BUSCH nicht nur eine Ausstellung über einen der beliebtesten deutschen Künstler. Es feiert einen Humoristen, der Generationen geprägt hat und dessen Werk bis heute daran erinnert, dass die größten Dramen häufig an den kleinsten Dingen entstehen. Die menschliche Komödie beginnt oft vor unserer Haustür – manchmal auch bereits am Frühstückstisch.


Die Ausstellung entstand in Kooperation mit:

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Die Ausstellung wird gefördert durch:

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zwei Sparkassenlogos in eins




In Zusammenarbeit mit:

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Pressekontakt
Larissa Peters
Telefon: 0151 2988 5874
E-Mail: presse@karikatur-museum.de

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MUSEUM Wilhelm BUSCH_Loriot_Reinhold das Nashorn_o. J. (c) Studio Loriot, Frankfurt Mai

Loriot, Reinhold das Nashorn, ohne Jahr


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MUSEUM Wilhelm BUSCH_Selbstporträt_1960er-Jahre (c) Studio Loriot, Frankfurt Main_komprimiert

Selbstporträt, 1960er-Jahre


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Loriot, Loriot mit Mops, ohne Jahr


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Loriot, Herren im Bad 1, 1978


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Loriot, Das Frühstücksei, 1977


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MUSEUM Wilhelm BUSCH_Loriot_Feiner speisen mit Poppe 1_1964 (c) Studio Loriot

Loriot, Feiner speisen mit Poppe 1, 1964


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Loriot, ohne Titel, ohne Jahr


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MUSEUM Wilhelm BUSCH_Loriot_Kunsthonig_1975 (c) Studio Loriot, Frankfurt Main_komprimiert

Loriot, Kunsthonig, 1975


© Studio Loriot, Frankfurt/Main

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